Heels Kunst als Entlastung des Auges und die Rückkehr der Romantik

Ich habe die Reden und Kommentare zu den Bildern auf der Homepage aufgerufen. Nun gibt es so viele Interpretationen wie es Menschen gibt, die diese Bilder betrachten.

Für mich sind die Bilder weder rätselhaft noch ungewöhnlich. Die Farben nie bunt oder kunterbunt – sondern klassisch analog und komplementär, halten die Explosion der Formen in Schach. Sie sorgen dafür, dass bei aller Unruhe und Diversität des Aufbaus eine überschaubare Ordnung bleibt.

Warum solche Bilder? Ich denke sie haben eine doppelte Funktion: Sie sind eine Anklage und eine Therapie. Seit hundert Jahren erleben wir eine Diktatur der geraden Linien, des rechten Winkels und der immer glatteren und glänzenderen Flächen (z.B. Smartphone). Eine perfekte Eintönigkeit. Der Charme polierter Grabsteine. Genau dagegen stellen sich diese Bilder, sie sind ein Gegenentwurf. Da gibt es Rundungen, Linien und Flächen, die sich auflösen. Es gibt perfekte Ungenauigkeiten und Irrgärten. Die Bilder wirken am besten dort, wo sie hingehören, in die Foyers glatt geputzter, moderner Architektur, in automatisierte Fabrikhallen und überall dort, wo die Gigantomanie aus Stahl, Glas und Beton alles überragt. Deshalb wirken sie auch umso besser, je größer sie sind. Sie machen die Diktatur der baulichen Rationalität erträglicher. So sind sie Therapie.

Ich kenne viele dieser Bilder aus nächster Nähe. Ein Nachteil der Onlinebetrachtung ist, dass man die bildinternen Gedanken weniger deutlich sieht. Da lässt sich über die Dreidimensionalität in der Abstraktion, die ganz unterschiedlich gelöst ist, einiges sagen. Ebenso über die Höhungen mit Weiß und Gelb, die eine oft große und gelungene Strahlkraft herstellen. Ich sehe aber insgesamt einen virtuosen Umgang mit ganz traditionellen Mitteln, durch die immer wieder eine andere Akzentuierung erreicht wird. Einige Bilder sind intensiver als andere. Sie brauchen aber eine Umgebung , in der sie als Singularitäten strahlen können, in der ihre ganze Wucht der Andersartigkeit zur Geltung kommt. – Tatsächlich sind die Bilder tief romantisch.

Peter Hilble, Kunstpädagoge

Garmisch-Partenkirchen, 2022